Sonntag, 25. September 2011

Wenn mir einer quer kommt - Action im Comic

Ich hatte es bereits an anderer Stelle geschrieben – wenn man davon augeht, dass es drei Kategorien gibt, die in einer Geschichte wiedergegeben werden können, nämlich




  • Gedanken und Gefühle


  • Dialog


  • Bewegung / Action
dann glaube ich, dass der Comic für Gedanken, Gefühle und Dialog das bessere Medium ist als für Action. Deswegen denke ich auch, dass Actionlastige Superheldenstories letztendlich am besten im Kino funktionieren. Und auch ein „Action“-Genre wie Crime Noir funktioniert im Comic so großartig, weil die Handlung ständig von den Gedanken der Hauptfigur kommentiert und bewertet wird.

Aber nichtsdestotrotz gibt es viele effektive Möglichkeiten, Bewegung im Comic fühlbar wiederzugegeben, und darum gehts heute mal.


Kreuz und Quer!


Das für mich wichtigste Prinzip für die Darstellung von Bewegung in Bild und Grafik kennen wir, aktiv oder passiv, aus dem Grafikdesign. Grafikdesign setzt horizontale und vertikale Linien für und Flächen ein, um Ordnung, Stabilität, Beständigkeit und Seriösität darzustellen. Also so ziemlich das Gegenteil von Bewegung und Unruhe.
Denn dafür wird die DIAGONALE verwendet. Alles diagonale steht für Bewegung und Dynamik.
Und so sind diagonale auch im comic die Grundlage für die Darstellung von schneller, dynamischer Bewegung, wie in dieser Actionszene aus THE LONG HALLOWEEN.



Bewegung in Panels und Seitenlayout


Es ist schon einiges in Bewegung im obigen Beispiel, aber die Panels sind weiterhin orthodox rechteckig, und das Seitenlayout sehr aufgeräumt. Der nächste Schritt wäre, sich die Panels zu schnappen, und auch die Panels diagonal zu setzen, wie in diesem Beispiel aus Ed Brubakers BÖSE KLEINE STADT, in der das "Rumkurven", des Autos auf die Panelform und das Seitenlayout übersetzt wird.




Die folgende Doppelseite aus SEVEN SOLDIERS OF VICTORY geht noch einen Schritt weiter in seinem Einsatz von diagonalen, asymetrischen Panels, die ein starkes Gefühl von Unruhe und Bewegung in die Seite holen. Auch die aus den Panelrahmen herausbrechenden Formen sind ein Werkzeug für Bewegung im Comic.



Gesplitterte Wahrnehmung: kleine, schnelle Panels


Ein Panel ist im Comic eine Zeiteinheit. Viele kleine Panels beschleunigen die gefühlte Zeit, und auch das kann man in Actionszenen gut brauchen. Die Wahrnehmung wird aufgesplittert in viele kleine Einheiten, als ob man schnell den Kopf hin- und herbewegt, um eine unruhige Situation zu erfassen.
Die "Kamera" in Actionszenen


Ein weiteres schickes Werkzeug für Action ist die "Kamera", mit der man die gezeigten Momente darstellt. Typisch für eine Actionkamera ist zB der Wechsel von und in extreme Perspektiven, wie in der Rumkurv-Seite aus BÖSE KLEINE STADT: Die Kamera wechselt von extremen Close-Ups und Weitwinkel-"Aufnahmen", und macht starken Gebrauch von extrem hohen und extrem niedrigen Perspektiven (Frosch- und Vogelperspektive), was die Dramatik der Situation spürbarer macht.


Ausserdem gibt es extreme Wechsel zwischen nah und weit: der Zoom der Kamera dreht vollkommen durch und wechselt von Bild zu Bild zwischen extremen Close-Ups und Weitwinkelaufnahmen. Eine weitere Möglichkeit, um unsere Wahrnehmung durcheinanderzubringen und den Takt einer Szene zu erhöhen.



Ein radikales Mittel, um Action für Leser spürbar zu machen, ist, Sachen (oder Personen) in Richtung des Lesers zu schleudern. Die Action passiert rechts und links am Ohr des Lesers vorbei ....



... oder kommt direkt auf ihn zu. Dieses Spiel mit der räumlichen Achse erzeugt fast einen 3D-Effekt.
Dieser Figur-springt-Leser-an-Effekt war mal sehr in Mode; er verbraucht sich schnell, und seine Wirkung entfaltet sich am besten in homöopathischen Dosen.


In eigener Sache: Es wurde der Wunsch nach mehr Ordnung und Organisation laut, daher wird irgendwann in den nächsten Wochen eine Homepage für DCIK starten, auf der alle Beiträge strukturiert thematisch geordnet sind. Besonders die Trommel rühren möchte ich auch für ein mehrseitiges Interview, das Burkhard Ihme mit mir für das neue ICOM-Jahrbuch geführt hat, und indem hoffentlich etwas mehr Artwork von Markus bzw. Probeseiten aus dem Buch zu sehen sind. Happy Trails!













































































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